Befristungen

"Ein Kreis, aus dem man nicht herauskommt"

Stefanie Will ist Chemielaborantin bei der KVP in Kiel, die zum Bayer-Konzern gehört. Sie hat dort 2008 mit einem befristeten Vertrag von einem Jahr angefangen und anschließend zwei Mal einen weiteren Vertrag von je eineinhalb Jahren bekommen. Seit einem halben Jahr ist die 27-Jährige fest angestellt – und spürt jetzt, wie hoch der Druck unter der befristeten Anstellung war.

Martin Krok

Stefanie Will hangelte sich vier Jahre lang von Arbeitsvertrag zu Arbeitsvertrag. Stefanie Will hangelte sich vier Jahre lang von Arbeitsvertrag zu Arbeitsvertrag. Heute hat sie eine unbefristete Festanstellung.

"Die erste Wohnung in Kiel habe ich unter dem Gesichtspunkt gesucht, dass ich da schnell wieder raus kann. Mein erster Arbeitsvertrag war auf nur ein Jahr befristet;  die Kieler Pharma- und Veterinärproduktion KVP brauchte damals eine Chemielaborantin zur Unterstützung eines Teams. Ich hatte mich von Anklam aus auf die Stelle beworben, dort bin ich geboren und habe den Beruf an der Fachschule gelernt. 

Leider  habe ich dort aber keine Arbeit gefunden. Zum Glück hatte ich eine Schulfreundin, die auch in Kiel gelandet ist, sie hat mir am Anfang geholfen. Ich bin auch gleich in die IG BCE eingetreten. Das hat mir Sicherheit gegeben.  Dadurch habe ich schnell Menschen aus anderen Betrieben kennen gelernt.

Bei der Arbeit habe ich immer versucht, das Beste zu geben. Ich wollte zeigen, dass ich mehr kann, als eine Aushilfe zu sein. Ich habe immer gehofft, dass ich da weiter arbeiten darf. Meine Gruppe im Labor hat mir Mut gemacht, wenn es mal schlecht lief. Nach neun Monaten wurde eine auf eineinhalb Jahre befristete Stelle in einer anderen Gruppe ausgeschrieben, darauf habe ich mich erfolgreich beworben. Danach bekam ich noch einmal einen befristeten Vertrag für eineinhalb Jahre. 

Bei der KVP sind etwa 20 Prozent der Arbeitsverträge befristet, dadurch kann die Firma auf Auftragsschwankungen reagieren. Sie versucht, alle zu übernehmen, zahlt auch Tariflohn und Gewinnbeteiligung. Ich konnte sogar  Fortbildungen machen. Nur die Unsicherheit bleibt.

Natürlich war ich glücklich über den Job. Ich mag meinen Beruf richtig gern. Aber mit der Zeit wächst der Druck. Man merkt das zuerst gar nicht. So ein Zeitvertrag ist wie ein Kreis, aus dem man nicht heraus kommt. Man lebt von Tag zu Tag und macht keine Zukunftsplanung, schafft sich nichts an. Im Privatleben habe ich versucht, nicht immer an das mögliche Ende zu denken. Beim dritten Fristvertrag habe ich mir eine Wohnung auf dem Land gesucht, wo ich eine Freundin hatte.

Zwei Monate vor dem Ende der dritten Frist habe ich erfahren, dass ich einen festen Vertrag bekomme. Zuerst konnte ich es kaum fassen. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, denn ich arbeite sehr gern hier. Das ist jetzt sieben Monate her. Davor hatte ich einen richtigen Hänger. Wie groß die Anspannung war, das merke ich eigentlich erst jetzt an der Erleichterung. 

Inzwischen überlege ich auch mal, wie ich mich eigentlich selbst im Job weiter entwickeln möchte, ob ich mich spezialisieren oder vielleicht noch ein Fernstudium machen möchte. Während der Befristung habe ich immer nur darüber nachgedacht, wie ich die Arbeit besser machen kann."

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