Chemie-Tarifrunde 2014

Jetzt müssen Zahlen auf den Tisch!

Kein Millimeter Bewegung, die Chemie-Tarifverhandlungen treten auf der Stelle. Es reicht! In zahllosen Aktionen vor Ort – in den Betrieben, auf den Straßen und Plätzen – verleihen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter den Forderungen der IG BCE demonstrativen Nachdruck. Die Blicke richten sich jetzt nach Hannover, am 4. und 5. Februar steht in der niedersächsischen Landeshauptstadt die zweite Verhandlungsrunde auf Bundesebene an. Die Arbeitgeber wären gut beraten, ihren Blockadekurs aufzugeben.

Andreas Reeg

Demonstration im Vorfeld der ersten bundesweiten Tarifverhandlung in Darmstadt. Mit einer Demonstration im Vorfeld der ersten bundesweiten Tarifverhandlung in Darmstadt stärken die Beschäftigten der chemischen Industrie der IG-BCE-Tarifkommission den Rücken.
27.01.2014

Reinhard Westhäuser ist sauer. Der Betriebsratsvorsitzende der Renolit SE (Worms) hat für die Blockadepolitik der Arbeitgeber null Verständnis. "Unsere Forderungen sind passgenau und der Branche angemessen. Die Beschäftigten sind jedenfalls fest entschlossen und werden nun den nötigen Druck aufbauen, damit die Verhandlungen endlich Fahrt aufnehmen."

Bei Renolit brummt es, die Auftragsbücher sind voll. Das Unternehmen ist kein Einzelfall, ganz im Gegenteil: Die chemische Industrie insgesamt steht gut da, die Prognosen und alle wichtigen Kennziffern zeigen nach oben. Die Chemie-Konjunktur läuft stabil und robust auf hohem Niveau.

Und der Optimismus greift auf andere Branchen über. Die Wirtschaftsinstitute korrigieren ständig ihre Vorhersagen – und zwar steil nach oben. Jüngst meldete sich auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zu Wort. Es sei zu schaffen, das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr im Vergleich zu 2013 zu verfünffachen.

Auch international mehren sich die Zeichen für gute Entwicklung. Die Rezession im Euroraum ist überwunden, die Weltbank rechnet mit einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,2 Prozent – prima Aussichten für die besonders stark exportorientierte chemische Industrie. "Die deutsche Wirtschaft fährt nicht mehr nur auf zwei Zylindern, sondern auf allen vier Zylindern", stellt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, nüchtern fest.

Geradezu realitätsfremd wirkt vor diesem Hintergrund das Verhalten der Chemie-Arbeitgeber. In neun regionalen Verhandlungen haben sie sich keinen Millimeter bewegt, stur und unbeweglich fuhren sie diesen Kurs auch bei der ersten Bundesrunde Mitte Januar in Darmstadt.

© Jörg Zschimmer

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber malte die Lage schwarz in schwarz, jammerte, was das Zeug hält. Hans-Carsten Hansen forderte gar eine "Kostenbremse". Die gewerkschaftliche Antwort ließ nicht lange auf sich warten. IG-BCE-Tarifpolitiker Peter Hausmann wies darauf hin, dass "es bergauf geht. Und weil es bergauf geht, ist es schlicht widersinnig, dass die Arbeitgeber auf die Bremse treten wollen. Da machen wir nicht mit."

Neben der Erhöhung der Entgelte um 5,5 Prozent fordert die IG BCE eine Fortschreibung des Tarifvertrags "Zukunft durch Ausbildung" und will die Übernahmesituation nach der Ausbildung verbessern.

Doch in beiden Punkten liegen noch Welten zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern. Diese Blockadepolitik löst Proteste aus, der Unmut in den 1900 Chemie-Betrieben wächst. Diese Stimmung macht sich Luft – deutlich wird dies in einer bundesweiten Aktionswelle. Vor Ort wird Druck gemacht, demonstrativ stärken die Belegschaften der gewerkschaftlichen Verhandlungskommission den Rücken.

Am 4. und 5. Februar geht es in Hannover zur Sache. "Ich hoffe sehr", so Peter Hausmann, "dass die Arbeitgeber die Signale aus den Betrieben richtig verstehen. Es muss Schluss sein mit der Verschleppungstaktik, jetzt müssen Prozente auf den Tisch. Um es ganz deutlich zu sagen: Für unverbindliche Gespräche in der Endlosschleife stehen wir nicht zur Verfügung. Wir erwarten von der anderen Seite ein tragfähiges Angebot. Wir können zu Potte kommen – wenn bei den Arbeitgebern Realismus einkehrt und die Zahlen stimmen."

Unterstützen Sie die gewerkschaftlichen Forderungen und beteiligen Sie sich an unserer Tarif-Aktion "Schwer für mehr".

  • Chemie-Tarifrunde 2014 Aktion Hamburg-Harburg
    Foto: 

    Cordula Kropke

    "Schwer für mehr" – unter diesem Motto läuft die Chemie- Tarifkampagne 2014. In zahllosen Aktionen vor Ort - wie hier in Hamburg-Harburg - 

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