Grubenfahrt

Anja Weber zu Gast auf Prosper-Haniel

Am 19.04. ging es für die neue Vorsitzende des NRW-DGB unter Tage. Am Schacht 10 des Bergwerks Prosper-Haniel in Bottrop gibt es eine erste Einführung vom Personal- und Sozialdirektor Bernd Beier persönlich.

Zwar läuft die Förderung der deutschen Steinkohle dieses Jahr aus. Das heißt aber nicht, dass am 31. Dezember der gesamte Betrieb still steht. „Das Aus für die Kohle wurde schon vor langer Zeit beschlossen. Dieses Jahr beenden wir den Abbau von Steinkohle, aber mit dem Rückbau der untertägigen Anlagen werden wir bis 2020 beschäftigt sein. Bis dahin müssen wir noch einiges an Personal abbauen“, führt der Personaldirektor aus: „Aber hier fällt niemand ins Bergfreie, wie der Bergmann sagt. Die Arbeitsplätze werden alle sozialverträglich abgebaut. Ohne die IG BCE mit am Verhandlungstisch wäre das nicht möglich gewesen.“ Im Anschluss an die Einführung mit reichlich Informationen über die RAG und das Bergwerk sowie die Ewigkeitsaufgaben erfolgte die Sicherheitsunterweisung.

Detlev Lindenbaum

Kurz darauf ging es in die Kaue. Nach dem Umkleiden und Anlegen der persönlichen Sicherheits- und Schutzausrüstung ging es zum Schacht. 12 Meter pro Sekunde geht es nun in 1152 Meter Tiefe. Die Luft vom Schacht zog mit einer starken Brise direkt an uns vorbei, bis es nach einigen hundert Metern in der Grube mit der sogenannten Dieselkatze in den Streb weiterging. Die letzten drei bis vierhundert Meter liefen wir zu Fuß bis zum Hauptantrieb, wo die Kohle abgebaut wird.

 

Die feuchtwarmen Luftverhältnisse sind hier normal durch die gegenebenen Wetterbedingungen. Die Schilde tragen das Gewicht des darüber liegenden Gesteins und wir sehen von hier aus den Hobel. Dann wird es laut, nach einem schrillen Signalton kommt der Hobel mit einer Wolke aus Wasserdampf aus dem Dunklen geschossen und schält die Kohle aus dem Flöz. Am Kohlenstoß schimmert das schwarze Gold. Der zeitgleich mitlaufende Strebpanzer fördert die Kohle auf das Förderband am Hauptantrieb.

 

Nach diesen Erlebnissen ging es langsam wieder zurück zum Schacht zur Seilfahrt. Über Tage wartet die Presse schon erwartungsvoll. Anja Weber zeigte sich beeindruckt: „Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit sind hier nach wie vor gelebte Realität. Diese Werte haben dem Ruhrgebiet und ganz Deutschland zu Wachstum und Wohlstand verholfen. Beim Abschied vom Steinkohlebergbau geht es daher nicht um Nostalgie. Denn nur wenn wir wissen, was uns stark gemacht hat, können wir gute Arbeit und gutes Leben auch für die Zukunft schaffen“. Sie ergänzte: „Als Kind des Ruhrgebiets hat man das auch irgendwie in den Genen. Aber man muss es selbst erleben, damit man einen Eindruck davon hat, was die Bergleute hier jeden Tag leisten.“ Dann führt sie aus: „Genau darum geht es am 01. Mai. Daher freue ich mich auch ganz besonders auf die Kundgebung in Bottrop.“

 

Aber nicht nur die Leistung der Bergleute ist beeindruckend. Der  stellvertretende Betriebsratsvorsitzender Reinhard Thater erklärt: „Auch wenn die Kumpel wissen, dass der Bergbau dieses Jahr zu Ende geht, werden Sie hier keine unmotivierte Mannschaft sehen. Die Kumpel werden den Bergbau mit erhobenem Haupt, vernünftig und würdevoll beenden.“

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